Cool bleiben im Altbau: Klimaschutz trifft Raumklima

22.07.2025

Wer in einem Altbau lebt, kennt das: Die Sonne scheint, die Temperaturen steigen – und plötzlich wird das eigene Zuhause zur Sauna.

Besonders Altbauten sind im Sommer anfällig für Überhitzung, weil sie oft schlecht oder gar nicht gedämmt sind, große Fensterflächen besitzen und baulich selten auf Hitzeschutz ausgelegt wurden.

In unserer Fokus-Session „Cool bleiben im Altbau“ haben wir genau darüber gesprochen. Energieberater Markus Wohlgemuth nahm uns mit auf eine fundierte und gleichzeitig anschauliche Reise in die Physik des Sommers – und zeigte auf, wie wir ohne Klimaanlage besser durch heiße Tage kommen.

Von Hitzewellen und Hoffnung

Gleich zu Beginn machte Wohlgemuth klar: Sommerliche Überhitzung ist kein temporäres Phänomen mehr. Der Klimawandel ist real – und die Hitzeperioden, die unsere Städte zunehmend belasten, werden bleiben. Doch statt in Resignation zu verfallen, lieferte der Impulsvortrag eine motivierende Kernbotschaft: Es gibt Mittel und Wege, um auch im Altbau ein gutes Raumklima zu bewahren – und dabei sogar das Klima zu schützen.

Drei Wege der Wärme – und was wir dagegen tun können

Mit anschaulichen Beispielen und einem Ausflug in die Grundlagen der Thermodynamik erklärte Wohlgemuth, wie Hitze ins Haus gelangt: durch Strahlung, Leitung und Konvektion. Gegen jede dieser drei Übertragungsarten gibt es wirksame Maßnahmen – vorausgesetzt, man weiß, worauf es ankommt:

  • Gegen Wärmestrahlung helfen Verschattung und Reflexion: Von außen angebrachte Rollläden, Jalousien oder Fassadenbegrünung sind effektiver als innenliegende Maßnahmen. Helle Oberflächen reflektieren Sonnenlicht besser als dunkle – und eine Photovoltaikanlage auf dem Dach kann gleich doppelt punkten: Sie spendet Schatten und erzeugt Strom.

  • Gegen Wärmeleitung hilft nur Dämmung: Besonders das Dach spielt eine zentrale Rolle. Eine gute Dachdämmung kann verhindern, dass die Hitze aus dem Dachraum in die Wohnräume durchsickert. Wohlgemuth wies dabei auf die Bedeutung der Phasenverschiebung hin: Dämmstoffe wie Holzfaserplatten oder Zellulose (z. B. aus Altpapier) lassen die Hitze erst Stunden später ins Innere – also genau dann, wenn es draußen wieder abkühlt und gelüftet werden kann.

Gegen Wärmetransport durch Luft hilft richtiges Lüften: Die einfache Regel: Lüften nur, wenn es draußen kühler ist als drinnen – idealerweise in den frühen Morgenstunden. Besonders im Keller kann falsches Lüften bei Hitze schnell zu Feuchtigkeit und Schimmel führen.

Klimaanlage? Wenn’s nicht anders geht.

Zwar ging Wohlgemuth auch auf klassische Klimageräte ein, betonte jedoch deren hohe Kosten, Stromverbrauch und Wartungsaufwand – und vor allem die negative Klimabilanz. Seine Haltung war klar: Lieber zuerst auf passive Maßnahmen setzen, bevor man zur energieintensiven Technik greift.

Fazit: Schatten ist besser als Strom

In der abschließenden Fragerunde wurde deutlich, wie alltagsnah das Thema ist – viele Teilnehmende berichteten von aufgeheizten Dachwohnungen, schwieriger Lüftung und Unsicherheiten bei der Dämmung im Bestand. Wohlgemuth nahm sich Zeit für individuelle Rückfragen und zeigte praxisnah, dass kleine Veränderungen oft große Wirkung zeigen können.

Ein besonderer Dank geht an alle Besucher:innen für die rege Teilnahme und die inspirierende Diskussion – und natürlich an unseren Referenten für seinen fundierten, anschaulichen und sympathischen Vortrag.

Mehr Tipps und Impressionen zur Veranstaltung folgen bald hier im Blog – und wer Lust auf mehr hat, kann sich schon auf die nächste Fokus-Session freuen. Mehr Infos folgen!