Die Elemente bändigen

05.01.2021

Die Elemente bändigen

Egal ob Strom, Wärme, Wasser oder Luft. Gerade sind die technischen Gewerke dabei die Infrastruktur aufzubauen, damit die verschiedenen Elemente dorthin kommen, wo sie später nach Fertigstellung des Haus Reichstein auch hin sollen.

Seit Mitte Dezember herrscht im Haus Reichstein geschäftige Stimmung. Gleich fünf Gewerke arbeiten gemeinsam daran, den nächsten Bauschritt im Haus Reichstein fertigzustellen. Vom Dachgeschoss bis zum Keller arbeiten sich dabei die Fachleute für Heizung, Lüftung, Sanitär, Elektro und Trockenbau voran. Am weitesten “unten” ist aktuell Herr Scheidt  von der Firma Klettke, die für die Heizungs-, Lüftungs- und Sanitärinstallationen zuständig ist.

Herr Scheidt, Sie montieren gerade eine neue Heizung – dabei sind die Wände noch nicht verputzt. Wie kommt das?

Scheidt: Genau, wir montieren gerade in den unteren Geschossen die letzten Heizungen. Die sind vor allen Dingen nötig, damit der Trockenbauer auch im Winter gut arbeiten kann. Hier müssen die Gewerke, die gerade auf der Baustelle sind Hand in Hand arbeiten.

Jetzt ist so ein Altbau ja nicht “von der Stange” und immer etwas außergewöhnlich. Mit welchen Besonderheiten haben Sie im Haus Reichstein zu kämpfen?

Tatsächlich sind es die alten und neuen Balken, die die größten Probleme machen. Da kann man nicht mal eben die nötigen Leitungen einfach in einem Zug gerade die Geschosse hochlegen, sondern muss immer ein wenig schauen, wo man gut entlang kommt. Man sucht somit immer ein wenig nach dem richtigen Weg für jede Leitung. Und hier im Erker geht’s dann sowieso ums Eck. Hier drunter ist ja direkt der Gehweg. (lacht)

Und welche sonstigen Unterschiede in der Installation gibt es im Vergleich zum Neubau?

Im Neubau werden ja zu 90% Bodenheizungen verbaut. Das ist hier ja nur mit sehr viel Aufwand möglich. Daher montieren wir ganz klassisch die Heizkörper unter dem Fenster. Was ich auch nicht so häufig habe, ist, dass ich die Heizungen leicht schräg (z. B. parallel zur Fensterbank) montieren muss. Das ist dann für das Auge angenehmer – man muss nur darauf achten, dass die Heizung nicht zur Entlüftungsseite geneigt ist. (lacht)

Wie sieht es mit den anderen Installationen aus – Also Sanitär & Lüftung?

Da ist es in der Tat sehr unspektakulär – oder anders gesagt lassen sich hier mögliche Überraschungen noch nicht absehen. Mal sehen was uns noch erwartet!

Eine Etage darüber ist die Firma Backwinkel mit der Elektro- und EDV-Installation beschäftigt. Herr Bietke  ist gerade dabei Schlitze in die Wände zu fräsen, um hier gleich die Verkabelung für das Treppenhaus zu installieren.

Herr Bietke, wie ist der Stand der Elektroarbeiten hier auf der Etage?

Bietke: Die Öffnungen für alle Dosen sind gefräst, für die Kabel alles geschlitzt, in den Trockenbauprofilen alles verkabelt und quasi fertig zum Schließen und Verputzen. Vorher haben wir das natürlich alles genau durchgemessen, damit alles am richtigen Ort ankommt. Wir arbeiten uns dann weiter von oben nach unten durchs ganze Haus.

Wie viele Kabel aus dem Bestand bleiben hier noch übrig?

Hier in diesem Haus? Kein einziges. Wir können eigentlich sagen, dass hier jedes Kabel neu eingezogen wird – vom Dachboden bis zum Keller. Alte Kabel zu übernehmen, ist ja aufwändiger als man denkt. Überall wo man was Neues machen möchte, muss man sich in den Kopf des Elektrikers vor 30, 40 oder 50 Jahren reindenken. Da wurde nicht alles immer nach Schema F verlegt.

Was macht das Arbeiten im Altbau besonders herausfordernd?

Die alten Balken, also das Fachwerk lässt es nicht zu, dass man z.B. Steckdosen oder EDV-Dosen an beliebige Stellen legt. Wo ein Balken ist, darf später keine Dose sein – wir können da ja nicht einfach ein Stück aus dem Tragwerk raussägen. Dazu verlegen wir Kabel einfach auf eine andere Art und Weise. Im Neubau würden wir zu 95% über den Boden verlegen und dann mit Estrich verschließen. Hier läuft das meiste über Trockenbaudecken in den Geschossen und über die Wände im Treppenhaus.

Was genau wird hier aktuell verlegt – handelt es sich um eine normale Ausstattung?

Wir verlegen neben der Elektro-Ausstattung auch direkt Glasfaser-, Antennen- und EDV- & Telefon-Kabel mit. Letztere sogar in jeden Raum so, dass jeder Raum auch für eine WG- oder Büro-Nutzung geeignet wäre.

Sobald die beiden Gewerke ihre Arbeiten auf den jeweiligen Etagen erledigt haben, folgt der letzte Schritt der Trockenarbeiter der Firma Hein. Warum gerade Trockenbau-Decken & -Wände im Bestand zum Einsatz kommen, ist Thema eines eigenen Blog-Posts den ihr hier findet.